Beroflex 500mm F:8,0 "Wundertüte" ... der Test (72er Ausführung gegen 67er)

Klaus-R

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Hallo zusammen,

die Wundertüte ... eine Uraltkonstruktion aus den späten 70er Jahren ist sehr bekanntes, sehr preiswertes, total unterschätztes Superteleobjektiv mit 500mm Brennweite.

Seinen NIK ... die "Wundertüte" verdankt es einem Objektivvergleichstest aus dem Jahre 1980 den Walter E. Schön für die Zeitschrift Color Foto schrieb.
Er erkannte damals, dass das Billigtele, das schon damals unter verschiedenen Labeln vermarktet wurde, in seiner optischen Leistung viel teureren Teleobjektiven gar nicht nachstand. Seine Einschätzung "Wundertüte" fand daraufhin solchen Anklang, dass diverse Anbieter diesen NIK übernahmen und auch damit warben.

Hier mal zwei Auszüge aus dem damaligen Testbericht von 1980:

(Anmerkung: Die meisten Wundertüten wurden damals unter "Beroflex" oder "Danubia" verkauft .... es sind baugleiche Objektive natürlich.

Und jetzt kommts:
"Das Beroflex-Objektiv zeichnet sich durch ein
Preis-Leistungs-Verhältnis aus, das kein anderes Objektiv des Tests auch
nur annähernd erreicht. Es ist im Verglei zu den Spiegellinsern zwar
eine "lange Tüte", aber im Hinblick auf seine Bildqualität und unter
Berücksichtigung des Billigpreises verdiente es eher die Bezeichnung
"Wundertüte".
Den absoluten Preis-Leistungshammer in diesem Test stellt Danubia mit
dem Linsentele 8/500 vor. (...) Besticht im Labor mit einer recht
ansprechenden Schärfe und Brillanz (etwa 320 Mark)." (...) "Selbst bei
statischen Motiven wie Kirchturmuhrem fokussiert man (vor allem als
Brillenträger) um den Schärfepunkt mehrmals vor und zurück, bis man sich
nach dem Pronzip Hoffnung für einen Schärfepunkt entscheidet.
Hauptsächlich gilt das für das lange Danubia-Objektiv. Sein Fokusring
sitzt sehr weit vorne, und mit einer halben Umdrehung ist der gesamte
Schärfebereich durchfokussiert - da entscheidet ein Millimeter über
viele Meter am entfernten Motiv. Am Leuchttisch versöhnt die lange Tüte,
ein konventioneller Vierlinser, mit überraschend hochwertiger
Bildqualität ohne Vignettierung bis in die Ecken.
Quelle:

http://de.narkive.com/2004/2/11/1046...t-entwurf.html

Genau genommen gibt es eigentlich vier verschiedene Wundertüten, wobei man sich im Fachdiskurs gelegentlich zankt, ob die kürzeren Brennweiten diese Bezeichnung auch tragen oder ob sie keine echten "Wundertüten" sind. Fakt ist jedoch, dass es eine komplette Beroflex Baureihe gab:

300mm/5,6
400mm/6,3
500mm/8,0 (Klassiker mit 72mm Filtergewinde)
500mm/8,0 (Neukonstruktion späterer Jahre mit nur noch 67mm Filtergewinde)

Während die 300mm und 400mm Tüten nicht mehr gebaut werden, wird die 500mm/8/67mm Variante bis heute von SAMYANG in Korea gefertigt und immer noch unter verschiedenen Labeln vermarktet (Walimex oder Phoenix z.B.).

Überblick:

sample 109.jpg

Oben: Die klassische 500mm/8,0/72er Wundertüte mit T2-M42 Adapter und Rückdeckel
Mitte: Die modernere 500mm/8,0/67er Wundertüte
Unten: Eine 400mm/6,3/72mm Wundertüte zum Größen- (Längen) Vergleich.

Alle Objektive haben einen T2 Gewindeanschluss, der sie kompatibel zu wirklich allen D-SLR Kamerasystemen macht.
Auch heute sind sie daher hochinteressant für jeden, der wirklich preiswert an Superteleshots herankommen will.

Ob dabei Abstriche bei der Bildqualität zu machen sind??;)

Schau'n wir mal.

Eine häufig diskutierte Frage darüber hinaus ist, ob die beiden verschiedenen 500mm Ausführungen sich in Bildqualität und/oder Lichtstärke unterscheiden. Zu vermuten wäre eigentlich, dass die modernere Tüte mit ihrer kleineren Frontlinse in Sachen Lichtstärke schummelt .... kurz und klar ... sie tut es nicht. Beide Ausführungen sind ganz exakt gleich lichtstark. Auch Blende 8,0 stimmt im Vergleich mit anderen Objektiven ganz genau.

Bildqualität nun also:

Ich kriege im Moment absolut kein Tageslicht, in reliabeler Lichtstärke "geliefert" um so kurze Verschlusszeiten sicherzustellen, dass ich Verwackelungen (auch vom Stativ) definitiv ausschließen könnte.
Alternativ gibt es aber einen anderen Trick, einigermaßen zuverlässig vergleichen zu können ... Blitzlicht! Die Blitzbelichtungszeiten eines Blitzgerätes stellen gute Verwackelungssicherheit her.

Ich habe also den METZ 40-MZ-3i eingesetzt. Als Kamera habe ich die Kleinbild DSLR CANON EOS 1Ds verwendet ... wir sehen also den vollen Ausleuchtungskreis.

Zusatzinfo: Die 72er Tüte hat einen Midestfokus von 11,5m, die 67er Version immerhin 9m. Ich habe hier einen Motivabstand von ca. 7m dadurch ermöglicht, dass ich einen 30mm M42 Zwischenring eingebaut hatte. Man kann natürlich ebensogut auch einen System-Zwischenring zwischen Kamera und jeweiligem T2-Adapter setzen ... das ist wurscht.

72er Version: (natürlich Offenblende)

sample422.JPG

67er version: (Offenblende)

sample424.JPG

Die wenigen Außenaufnahmen, die ich mit zu wenig Licht mit der "neuen" Tüte machen konnte, legen es jedenfalls nahe, zu glauben, was die Aufnahmen oben schon zeigen ... Sie tun sich nix!;)

Mit beiden Objektiven gehen wirklich scharfe, sehr kontraststarke und brillante Superteleaufnahmen, wie es 1980 schon vom Namensgeber erkannt und berichtet wurde.

Beide Objektive habe ich praktisch im Nagelneuzustand gekauft, für Kurse, die ich hier lieber nicht nenne. Ein Witz, in Anbetracht der Leistung die sie bringen.

Fazit: Das Märchen, nur die klassische 72mm Ausführung sei scharf, kann als widerlegt betrachtet werden.

Wenn man dann noch überlegt, dass die 72er Version 430mm Baulänge hat und 815 Gramm wiegt, dann wird die 67er Version mit 350mm Baulänge und 650 Gramm Gewicht um so interessanter.

Beide Objektive sind zwar federleicht, dennoch ganz aus Leichtmetall gefertigt und machen gar keinen so "billigen" Eindruck. Die Fokussierungen laufen "geschmiert" und geschmeidig. Der gesamte vordere Tubus (bis zur Frontlinse also) dreht beim Fokussieren mit, was das Halten und Fokussieren sehr erleichtert.
Wer also auf Autofokus verzichten kann, der hat hier Teleobjektive zum Spaßpreis bei Abbildungsleistungen, die den Kaufpreis der Optik eben nicht erahnen lassen.

Hier ist mal jemand, der die Tüte ähnlich einschätzt, wie auch ich. (runterscrollen bitte! Auch hier ist eine 67er Tüte zu sehen)

Ggfls. wünsche ich viel Spaß und schöne Photos mit einer Wundertüte

Klaus
 
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nobbi26

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hej Klaus.
die Wundertüten sind ja mal gerade wieder schwer in Mode gekommen. Alles um das Thema "Wundertüte" wird nun mittlerweile in den verschiedenen Unterforen gepostet. Ich habe heute "of Topic" genommen, ein anderes mal "Sony Bilder" besprechen, du hast unter "Canon Bilder" besprechen.
Um dieses Thema zusammen zu halten, denke ich ist es eine gute Idee, ein Unterforum unter dem Begriff "Objektive" einzurichten. Dieses sollte dann allgemein für alle Kamerasysteme gelten:ausrufezeichen:
Du könntest dann die in den letzten 3Wochen geposteten Beiträge dahin verschieben:cool:
 
can40man

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500mm Beroflex 72

Hallo Klaus_r und Norbert,:confused:

auf dem oben genannten Objektiv ist auf einem Ring eine Null und ein C abgebildet. Entweder habe ich es übersehen, oder es gibt nichts geschriebenes zu diesen Angaben. Ich bin mir sicher das einer von Euch Objektivliebhabern meine Frage lösen kann.
Vorab schon einmal Danke.

Grüße

Hermann;)
 
Klaus-R

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Hallo zurück,

nicht Null sondern (O) "open" = Blende Offen
das (c) "closed" steht für Blende geschlossen.

der Vorwahlring legt den Blendenanschlag fest ... deswegen Vorwahlblendensteuerung ... einfach aber gut durchdacht!;)

Grüße

Klaus
 
Klaus-R

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Rubrik ... Universalobjektive ....

Hallo zusammen,

ich werde einen diesbezüglichen Vorschlag im Modbereich machen ...
Wir haben das Thema zwar schon mehrmals angedacht.....:eek:

Was dagegen spricht, ist die Tatsache, dass ein und das selbe Objektiv z.T an unterschiedlichen Kameras andere Bildergebnisse bringt. Die Bezugskamera spielt also schon eine Rolle.

Die Objektivrubrik in den jeweiligen Kameraforen bezieht sich immer auf den Kameraanschluss des Objektives. In diesem Fall war das CANON EF ... deswegen habe ich's hier eingestellt.

Wenn das Objektiv an einer SONY zum Einsatz kommt, dann gehört's (nach bisheriger Logik) zu SONY-Objektive.
Unter OFF-Topic ist's dann aber in jedem Falle falsch ... da findet's niemand mehr wieder ... und das wäre bei so interessanten Themen einfach zu schade.

Wie gesagt ... ich werde den Vorschlag den MOD Kollegen unterbreiten.

Grüße

Klaus
 
can40man

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Klaus ich danke Dir für Deine schnelle und hilfreiche Antwort, zunächst.
Der Ring an meinem Objektiv ist sehr leichtgängig, ist das Normal und Gut?
Des weiteren gilt die Einstellung Open oder Closed immer dann wenn der Ring nach Links oder auch Rechts bis zum Anschlag gedreht wird? Oder ist bei diesen Einstellungen noch etwas anderes zu beachten?
Wenn mann Beamter in seinem Berufsleben war, dann will mann immer alles wissen. Ich hoffe aber diese meine Fragen gehen Euch, oder Dir Klaus nicht auf die Nerven?

Grüße

Hermann
 
nobbi26

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Hallo zurück,

nicht Null sondern (O) "open" = Blende Offen
das (c) "closed" steht für Blende geschlossen.

der Vorwahlring legt den Blendenanschlag fest ... deswegen Vorwahlblendensteuerung ... einfach aber gut durchdacht!;)

Grüße

Klaus

Ergänzung, wenn erlaubt:rolleyes:
Wenn du z.B Blende 22 einstellst, kannst du bei dieser Blende den Ring auf "C" stellen um mehr Licht zum scharf einstellen zu haben. Nach der Scharfstellung den Ring zurück drehen:ausrufezeichen::ausrufezeichen::ausrufezeichen: sonst fotografierst du bei Blende 8. Deine Kamera kann ja die Blende nicht zurückstellen, und es ist ja auch keine Springblende:ausrufezeichen:
 

Digitalios

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Objektive sollten in den verschiedenen Kameraforen in Unterforen besprochen werden.
Leider sind viele gute Beiträge anderer Marken zum Beispiel im M42 Thread allein im Sigma-Unterforum.
Oder der Sonnenuntergangsbilderthread im Sigma Unterforum voll mit Canon Fotos. Oder wars umgekehrt. ;)
Das ist schade. Aber es ließe sich mit etwas Mühe zerlegen und in die passenden neuen Foren verschieben.

Wir haben mal im Wohnmobilforum alle Threads der ganzen Jahre mit Thema Wohnwagen sondiert und in ein neues Wowa-Forum verschoben. So gabs dort gleich von Anfang an allerhand zu lesen.
Hat zwar ein bischen (viel) Arbeit gemacht, aber es ging. :)

Den Usern ist es vielleicht zur Zeit noch Recht so wie es ist, aber das Forum wird ja immer größer und dann wirds langsam unübersichtlich.

Und für die spätere Suche ist es sowieso besser, wenn alles dort ist, wo der Suchende es vermutet.
 
Klaus-R

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Klaus ich danke Dir für Deine schnelle und hilfreiche Antwort, zunächst.
Der Ring an meinem Objektiv ist sehr leichtgängig, ist das Normal und Gut?
Des weiteren gilt die Einstellung Open oder Closed immer dann wenn der Ring nach Links oder auch Rechts bis zum Anschlag gedreht wird? Oder ist bei diesen Einstellungen noch etwas anderes zu beachten?
Wenn mann Beamter in seinem Berufsleben war, dann will mann immer alles wissen. Ich hoffe aber diese meine Fragen gehen Euch, oder Dir Klaus nicht auf die Nerven?

Grüße

Hermann

Hallo Hermann,

so ganz unter Beamten :D:D

Der (O) (C) Ring sollte sehr leichtgängig gehen, während der Vorwahlblendenring schon merklich "gerastet" gehen sollte.

Ansonsten ist dem, was Norbert schreibt, nichts hinzuzufügen.

1) Arbeitsblende am Vorwahlring vorwählen
2) Blendenring auf (O) zum fokussieren und für ein möglichst helles Sucherbild. Dann (natürlich ohne die Kamera abzusetzen) auf (C) also Arbeitsblende abblenden und sofort auslösen ... dann wieder Blende Auf (O) öffnen.

In der Praxis wirst Du aber fast immer mit Offenblende arbeiten (arbeiten müssen), weil Licht in aller Regel Mangelware im Supertelebereich ist.
Abblenden, um Schärfe zu gewinnen, ist bei den Tüten übrigens nicht nötig .. die sind absolut offenscharf.

Grüße

Klaus
 
Klaus-R

Klaus-R

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Objektive sollten in den verschiedenen Kameraforen in Unterforen besprochen werden.
Leider sind viele gute Beiträge anderer Marken zum Beispiel im M42 Thread allein im Sigma-Unterforum.
Das ist schade. Aber es ließe sich mit etwas Mühe zerlegen und in die passenden neuen Foren verschieben.

Wir haben mal im Wohnmobilforum alle Threads der ganzen Jahre mit Thema Wohnwagen sondiert und in ein neues Wowa-Forum verschoben. So gabs dort gleich von Anfang an allerhand zu lesen.
Hat zwar ein bischen (viel) Arbeit gemacht, aber es ging. :)

Den Usern ist es vielleicht zur Zeit noch Recht so wie es ist, aber das Forum wird ja immer größer und dann wirds langsam unübersichtlich.

Und für die spätere Suche ist es sowieso besser, wenn alles dort ist, wo der Suchende es vermutet.

Hallo Heinz,

ich mache jetzt mal einen Thread unter "Anrregungen / Fragen zum Forum" diesbezüglich auf ... mal gucken, ob da eine Tendenz erkennbar wird ...;)

Grüße und schöne Photos

Klaus
 
Fokko

Fokko

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Ich habe mir vor über 20 Jahren so ein Ding für meine KB-Kameras gekauft. Nachdem ich mir neulich, um nach langer Zeit wieder einmal ein wenig ernsthaft zu fotografieren, eine DSLR zugelegt hatte, habe ich mir auch einen T2-Adapter dazu besorgt, damit ich den langen Otto auch wieder benutzen kann. Bei einem der ersten Versuche damit, ist folgendes rausgekommen:

http://www.bilderforum.de/photoplog/index.php?title=&n=14794

Probleme mit der etwas altertümlichen Technik habe ich keine. Ich fotografiere von meinen konventionellen Kameras gerne mit Zeitautomatik oder - bei solchen Sachen wie dem Mondbild hier- mit komplett manueller Einstellung. Und das händische Scharfstellen bin ich von dort ebenfalls gewohnt, obwohl ich den Autofokus neuerdings auch kennen und schätzen lerne.
 
karstenz

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Hallo an die Experten,
ich habe mich auch mal an so einer Wundertüte versuchen wollen, speziell im bereich Astrofotografie und bin damit jetzt mehrfach auf die Nase gefallen... bei allen Objektiven habe ich wenn ich mich recht erinnere meißt auf der letzten linse etwas "matsch". Seht am besten selbst, war gar nicht so leicht zu Fotografieren.

Vielleicht sollte ich noch dazu sagen das die relativ scharf begrenzten Punkte nur Staub, hauptsächlich auf der Kamera zugewanden Seite sind - kein Problem. Ließ sich bei etlichen versuchen scharf zu bekommen nicht vermeiden. Die Milchigen "Verfärbungen", der Belag oder was auch immer ist auf der abgewanden Seite der Linse. Das Lich fällt von leicht hinen oben ein...

Ich habe bereits mit einem Linsenreiniger (CAMKIX - nicht alcoho basierend), Spiritus und aus verzweiflung etwas Desinfektionslösung versucht. Auch längere Zeit einweichen, und dann mit Linsenpapier und/oder Mikrofasertüchern abgewischt. Es ist immer noch da...

Was ist der Trick dabei das runter zu bekommen?

Klaus meinte ja es wäre durchaus denkbar die Linsen neu zu Polieren und auf die Beschichtung zu verzichten. Wäre ja in diesem Falle ja auch nur eine Schicht bzw. eine Linse. Die Anderen sind Augenscheinlich in Ordnung.
Wie würde man an sowas ran gehen?

Viele Grüße und schon mal Danke für Tipps
Karsten
 

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Klaus meinte ja es wäre durchaus denkbar die Linsen neu zu Polieren und auf die Beschichtung zu verzichten. Wäre ja in diesem Falle ja auch nur eine Schicht bzw. eine Linse. Die Anderen sind Augenscheinlich in Ordnung.
Wie würde man an sowas ran gehen?

Hallo Karsten,

bevor Du polierst, gibt es Optionen:

--Essigessenz (Essigsäure 20%)

---Ein weiteres Mittel wäre theoretisch Salmiakgeist (Ammoniakwasser) - aber VORSICHT - der Umgang damit ist hochproblematisch (aggressive, giftige Dämpfe)! Ich rate davon ausdrücklich ab!

Beide Substanzen setzen einen sehr sorgsamen Umgang voraus. Handschuhe, Schutzbrille und auf jeden Fall Anwendung an frischer Luft.
Informiere Dich --vorher-- über alle Sicherheitsregeln im Umgang, wenn Du solche Substanzen erwägst und lasse es, wenn Du Dir unsicher bist!

Ich persönlich hatte mit Essigessenz einmal Erfolg.

Mit Salmiakgeist bisher nicht. Es wird halt berichtet, dass Salmiakgeist von "Profis" bei der Fungusreinigung verwendet wird. Persönlich hatte ich damit keinen Erfolg bei einer Problemlinse. Wie geschrieben - ich rate davon ab. Zu gefährlich im Umgang.

Zum Polieren: Ceroxid wird zum Polieren von Linsen verwendet. Pulver - wird mit Wasser zu einer Suspension angesetzt, welche mit Finger und Daumen verrieben werden kann. Das wird auf jeden Fall funktionieren, ist aber schon recht scharf.

Ich würde es zuerst mit Glaspolitur für Autoscheiben probieren. Ich habe so einmal mit Nigrin Scheibenpolitur eine Linse mit Extremfungus wieder sauber bekommen, bei der die Vergütung durch Fungus beschädigt war.

Nach dem Polieren -egal womit- ist so eine Vergütung komplett weg, was die Gegenlicht- und Streiflichempfindlichkeit eines auf diese Weise reparierten Objektivs etwas erhöht.
 
nobbi26

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Hallo an die Experten,
ich habe mich auch mal an so einer Wundertüte versuchen wollen, speziell im bereich Astrofotografie und bin damit jetzt mehrfach auf die Nase gefallen... bei allen Objektiven habe ich wenn ich mich recht erinnere meißt auf der letzten linse etwas "matsch". Seht am besten selbst, war gar nicht so leicht zu Fotografieren.

Vielleicht sollte ich noch dazu sagen das die relativ scharf begrenzten Punkte nur Staub, hauptsächlich auf der Kamera zugewanden Seite sind - kein Problem. Ließ sich bei etlichen versuchen scharf zu bekommen nicht vermeiden. Die Milchigen "Verfärbungen", der Belag oder was auch immer ist auf der abgewanden Seite der Linse. Das Lich fällt von leicht hinen oben ein...

Ich habe bereits mit einem Linsenreiniger (CAMKIX - nicht alcoho basierend), Spiritus und aus verzweiflung etwas Desinfektionslösung versucht. Auch längere Zeit einweichen, und dann mit Linsenpapier und/oder Mikrofasertüchern abgewischt. Es ist immer noch da...

Was ist der Trick dabei das runter zu bekommen?

Klaus meinte ja es wäre durchaus denkbar die Linsen neu zu Polieren und auf die Beschichtung zu verzichten. Wäre ja in diesem Falle ja auch nur eine Schicht bzw. eine Linse. Die Anderen sind Augenscheinlich in Ordnung.
Wie würde man an sowas ran gehen?

Viele Grüße und schon mal Danke für Tipps
Karsten
hallo Karsten, schau mal da Kannst du von mir für 75€ + 6€ Versand haben.
Gruß Norbert
 
karstenz

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Hallo Oz,
danke schon mal für die Tipps.
Essigessenz habe ich sofort versucht, sowas steht bei mir rum. Darauf hätte ich auch selber kommen können.
Ich hatte früher auch noch diverse Chemikalien zum Leiterplatten ätzen - also der Umgang mit Säuren ist mir nicht ganz fremd.
Auf Ammoniakwasser kann ich zuhause wirklich gut verzichten - zu flüchtig und zu stinkig.

Zum Fortschritt:
Nach den ersten 4 Stunden da drin scheint mir die Veränderung minimal zu sein, aber ich bilde mir ein es gab eine. Ich were vom Ergebnis berichten.


Dann kam mir noch eine Frage:
Wie schaut es mit Linsen im Ultraschallbad aus?
Einerseits kann ich mir vorstellen das die Vibration nicht gut ist in Richtung zerkratze der Oberfläche wenn die Linse einfach drin liegt. Man müsste wahrscheinlich die Linse so aufhängen das sie nur auf einem weichem Rahmen am äußerem Rand gehalten wird.
Andererseits bleibt die Frage welche Flüssigkeit Isopropanol, Spritus irgendwas das an den Pilz geht?
Das müsste ja was Organisches sein, also müsste die Essigsäure ja auch so ganz gut funktionieren ohne Ultraschall.
Würde das überhaupt Sinn machen?


Hallo Norbert,
danke für das Angebot. Hätte ich den Mist mit den "Gammel"-Objektiven eher gewusst - ich wäre mit deinem Angebot wohl besser gekommen. Mir bleibt aber erstmal immer noch die Hoffnung das ich zumindest eines davon retten kann. Wenn nicht, und dein Objektiv ist noch verfügbar - dann werde ich auf dein Angebot zurück kommen.

Soweit erstmal einen schönen Abend
Karsten
 
oz75

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Dann kam mir noch eine Frage:
Wie schaut es mit Linsen im Ultraschallbad aus?
Einerseits kann ich mir vorstellen das die Vibration nicht gut ist in Richtung zerkratze der Oberfläche wenn die Linse einfach drin liegt. Man müsste wahrscheinlich die Linse so aufhängen das sie nur auf einem weichem Rahmen am äußerem Rand gehalten wird.
Andererseits bleibt die Frage welche Flüssigkeit Isopropanol, Spritus irgendwas das an den Pilz geht?
Das müsste ja was Organisches sein, also müsste die Essigsäure ja auch so ganz gut funktionieren ohne Ultraschall.
Würde das überhaupt Sinn machen?

Beim Ultraschallbad wäre ich aus den genannten Gründen vorsichtig. Sonst ist die Linse im Nu hin.

Ggf. könnte es sich lohnen, die Temperatur der Essigessenz zu erhöhen. 50-60 °C.
Zwischendurch muss man reiben - einfach chemisch - wird man den Fungus nicht auflösen können.

Was ich übrigens auch schon zur Linsenreinigung verwendet habe, ist Chlorreiniger, d.h. Reiniger auf Basis von Natriumhypochloritlösung (z.B. "Cillit Bang Kraftreiniger Schimmel & Hygiene").

Was klar sein sollte: Chlorreiniger und Essigsäure NIE gemeinsam anwenden, um die Bildung von giftigem Chlor zu vermeiden!

Falls das alles nichts bringt -und falls Du Dich nicht traust, selbst zu polieren- biete ich Dir an, zu helfen:
Du schickst mir das Linsenelement in einem gepolsterten Kuvert, in dem sich auch ein frankierter, gepolsterter Rückumschlag an Dich befindet.

Ich habe Ceroxid und Glaspolitur im Fundus und kann das dann versuchen.
Natürlich ohne Garantie auf Erfolg.
 
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...dem ist nix hinzuzufügen und ich kann nur wiederholen, dass ich ein 72mm 400mm/ 6,3 Beroflex ganz einfach damit geheilt habe, dass ich die angepilzte Frontlinsen-Vergütung mit KFZ-Lackpolitur mitsamt Pilz entferrnt habe.
Die Vergütung ist (für den Fall, dass sie pipzbefallen ist) wirklich verzichtbar .... macht keinen ganz großen Unterschied.
Die sog. "Wundertüte" ist ein IMHO genial konstruierter und sowieso nicht BESONDERS streulichtempfindlicher Vierlinser ..... im Zweifel ist KEINE Vergütung NUCH BETTER als eine schlecht entpilzte
Kaputt-Vergütung.😊

Grüße und schöne Photos

Klaus
 
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ich könnte mir vorstellen dass Zahnprotesen Reiniger (Coregataps oder Kukident Blau) gut elfen könnten. Dazu die Linse aufrecht in ein Gefäß stellen etwas warmes Wasser und eine Tablette hineingeben. 1 Std. stehen lassen. Gegebenenfalls wiederholen. Die Tabletten reinigen mit reinem Sauerstoff!
 
karstenz

karstenz

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Update zum Rettungsversuch der Wundertüte #1...
nach den ersten zwei Tagen hatte ich mir eingebildet das es etwas weniger geworden ist.
Danach scheint mir keine wesentliche Verbesserung mehr passiert zu sei. Darauf hin habe ich heute mal den Versuch mit dem Zahnprotesen-Reiniger gestartet - leider auch keine wahrnehmbare Veränderung.

Also auf zum nächsten Versuch in Richtung Polieren.
Zum Polieren: Ceroxid wird zum Polieren von Linsen verwendet. Pulver - wird mit Wasser zu einer Suspension angesetzt, welche mit Finger und Daumen verrieben werden kann. Das wird auf jeden Fall funktionieren, ist aber schon recht scharf.

Ich würde es zuerst mit Glaspolitur für Autoscheiben probieren. Ich habe so einmal mit Nigrin Scheibenpolitur eine Linse mit Extremfungus wieder sauber bekommen, bei der die Vergütung durch Fungus beschädigt war.
Glaspolitur versuche ich als nächstes, ich denke da kann ich bei einem Kumpel in der Autowerkstatt einen kleinen klecks bekommen.

Woher kann man denn Ceroxid beziehen, bzw. muss man auf Qualität oder Körnung achten? Wenn ich beispielsweise ebay danach befrage gibts ja genug Angebote, diese unterliegen wahrscheinlich eher weniger eine Qualitätsgarantie.

EDIT: Wenn jeman interesse an einem aktuellem Foto hat, kann ich das gerne noch mal versuchen.
 
oz75

oz75

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Ich habe mein Ceroxid im Amazon(as) bekommen.

"Glass Polish 9002 Cerium Oxide, Ceroxid Glaspolierlösung..."

Die durchschnittliche Körnung liegt bei 2,5 Mikron.

Der Hersteller "Glass Polish" bietet auch eine fertige Politur an "Glass Polish 14053..."

Letztere habe ich aber nicht ausprobiert.