So liebe Leute
Die einen haben es schon mitbekommen. Ich bin jetzt auch einer der zehn Sigma SD1 Besitzer weltweit.

Nach zwei Tagen kann ich natürlich noch keinen ausführlichen Bericht schreiben. Dies ist auch kein richtiger Test.
Aber ein kleines Stimmungsbild kann ich schon mal abgeben:
Die Kamera fühlt sich, das wussten wir ja bereits, nicht wie ein 7000 Dollar Produkt an. Wer mal eine Leica M9 in der Hand hatte, weiss was ich meine.
Jetzt den Preis aber mal ausser Acht gelassen, ist die Kamera angenehm leicht (840 Gramm sagt meine Waage, gegenüber 816 Gramm bei der SD15, beide inkl. Batterie und Gurt) und liegt sehr gut in meinen durchschnittlich grossen Händen.
Durch die etwas rundere Form liegt sie noch einen Tick besser in der Hand als die SD15.
Verarbeitung:
Die Verarbeitung ist gut und liegt durch den Metall-Body und der Metalldrehknöpfe eine Stufe über der SD15. Wobei ich letztere schon als absolut tadellos empfand.
Der Druckpunkt der Knöpfe der SD15 finde ich noch etwas angenehmer, da dort wirklich ein mechanisches "klick" spür und hörbar ist, während sich selbige bei der SD1 eher etwas "schwammiger" anfühlen.
Ev. hat das seinen Grund im abgedichteten Body?
Jedenfalls ist es aber nichts, wo ich mir jetzt weiter Gedanken drüber mache.
Bedienung:
Auf das allgemeine Bedienkonzept gehe ich mal nicht gross ein, ein Sigma-Besitzer wird sich sofort Zuhause fühlen. Die etwas andere Anordnung der Knöpfe lässt sich auf den Produkt-Bildern im Netz schnell vergleichen.
Ein echter Wermutstropfen, im Moment jedenfalls noch, ist das fehlende Schulterdisplay.
Da ich gerne bodennahe Weitwinkel-Aufnahmen mit Stativ mache, mag ich es, nach dem Ausrichten der Kamera die Einstellungen bequem am Schulterdisplay zu kontrollieren oder anzupassen. Will man bei der SD1 rasch die Blende oder Zeit verstellen, muss man sich nun bücken und wieder durch den Sucher schauen, oder das hintere Display anwerfen, welches für diesen Zweck viel zu viele Infos anzeigt und unübersichtlich ist.
Arbeitsgeschwindigkeit:
Das Fokussieren ist gefühlsmässig etwas schneller und präziser als bei der SD15. Im Gegensatz zu der Konkurrenz aber noch immer sehr langsam. Selbst die nicht gerade als Autofokus-Rakete bekannte Canon 5D MK2, die ich ab und zu im Büro verwende, geht hier deutlich flotter zu Werk. Für meine Art des Fotografierens ist dies aber kein störender Punkt.
Hat man mal abgedrückt, dauert es rund 5 Sekunden bis das Bild auf dem Display erscheint. Bei der SD15 sind es etwa 3 Sekunden. Bei längerer Belichtungszeit verlängert sich diese Wartezeit noch mal.
Die Kamera bietet die Möglichkeit, Front/Back-Fokus zu korrigieren. Allerdings habe ich diesen Menu-Punkt noch nicht angefasst, da der Fokus mit meinen Linsen perfekt zu passen scheint.
Was für ein Glücksgefühl, nach meiner SD15 Odyssee
RAW Entwicklung:
Da ich bereits unzählige im Netz verfügbare RAWs herunter geladen und entwickelt hatte, wusste ich bereits, was mich erwartet:
Riesige, schwer zu bändigende Files, welche auch einen Quad-Prozessor ans Limit bringen.
Das Drücken des "Full Res" Buttons in SPP hat bei mir eine Wartezeit von ca. 20 Sekunden zur Folge. Ab diesem Moment ist die Bedienung dann auch wirklich zäh. Mein Achtkern Rechner im Büro ist etwas schneller, aber Spass macht das auch nicht.
Die einzige Lösung ist für mich, die Bilder nur in Bildschirmauflösung zu Bearbeiten und auf die 100% Ansicht zu verzichten. Dann kann man gut arbeiten. Und für die Entwicklung des Bildes ist die 100% Ansicht ehrlich gesagt auch nicht wirklich nötig. Pixelpeeping, Feintuning und Nachschärfen wird bei mir sowieso in Photoshop gemacht. Dort geht das mit dem exportierten 16 Bit Tiffs dann völlig problemlos.
Die Grundeinstellung eines jeden Bildes in SPP ist bei mir momentan: Luminanzrausch-Regler auf OFF (ganz links) zu stellen und den Farbrausch-Regler in der Mitte zu belassen.
Den Schärfe Regler stelle ich prinzipiell auf -1.0, da SPP schon in der Nullstellung nachschärft, und das mit einem nicht optimalen Schärfungs-Algorithmus. (Zu grosser Radius)
Bei früheren Tests mit SPP 5, konnte man sogar auf -2 stellen. Aber ich denke, Sigma hat hier etwas nachgebessert und schärft nicht mehr so heftig nach.
Objektive:
Ein viel kolportierter Punkt ist, dass die meisten Sigma Linsen mit der Auflösung der SD1 überfordert sind.
Ich habe bis anhin nur knapp 2 Stunden mit dem 17-50er 2.8 und dem 8-16er Ultraweitwinkel fotografiert und kann bei diesen Linsen Entwarnung geben: Die Linsen sind, bei ihrem optimalen Blenden-Bereich auch an der SD1 sehr scharf, so dass man bei 300% Reinzoomen die schönen Treppchen sehen kann, welche Bayer-Sensoren mit AA Filter auf diese Weise nicht produzieren.
Das 17-50er leidet ab und zu etwas an CA's, aber das habe ich auch schon an der SD15 beobachtet.
Das 10-20er muss sich erst noch beweisen, das konnte ich noch nicht testen. Es ist jedoch schon bei der SD15 sichtbar etwas schwächer als das 8-16er. Trotzdem ist es wegen der Filtertauglichkeit meine Lieblings Weitwinkel-Linse.
Bildqualität:
Die Bildqualität ist bei den meisten wohl der Hauptgrund, sich eine Sigma zuzulegen.
Die SD1 ist hier keine Ausnahme. Sie ist noch immer eine waschechte Sigma. Mit den altbekannten Stärken und Schwächen. Um die volle, pixelscharfe Foveon Qualität geniessen zu können, sollte man schon vor der Aufnahme vieles richtig machen. Die Kamera liebt Zeit und/oder Licht. Nichts Neues für Sigmarianer.
Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt hier im Forum genauer auf die Bildqualität eingehen, da dies ein eigenes Thema verdient hat.
Salopp kann ich folgendes Statement abgeben:
Die SD1 hat eine zur SD15 recht ähnliche Bildwirkung, was die Farbabstimmung betrifft. Das Handling der Spitzlichter ist jedoch, zumindest im Gegensatz zu meiner SD15 eine starke Verbesserung. Ich habe endlich wieder das Gefühl, einen anständigen Dynamikumfang in den Lichtern zu haben. Des Weiteren kann man natürlich in die Bilder reinzoomen dass es eine Freude ist.
Bilder in Forumsgrösse werden sich aber dadurch nicht von denjenigen einer SD15 unterscheiden
Ein etwas merkwürdiges Verhalten ist mir in einigen Gegenlicht Situationen aufgefallen:
Die Kamera, oder die RAW Interpretation von SPP, neigen dazu, viel zu starken Kontrast auf das Bild anzuwenden. Im Gegensatz zu dem üblichen Verhalten, dass eine Kamera eher den Himmel, oder eher die Schatten versucht korrekt darzustellen, sieht das X3F in Nullstellung schon mal komplett unterbelichtet und gleichzeitig überbelichtet aus.
Wenn man dann mehr oder weniger heftig an den Reglern schraubt, merkt man aber, dass alle Informationen noch vorhanden sind.
Dieses Phänomen ist auch einem User im dpreview Forum aufgefallen.
Des Weiteren ist die "Auto" Entwicklung von SD1 RAWs komplett unbrauchbar. Es ist bei jedem Bild einige Handarbeit gefragt.
Ich bin mir sicher, dass Sigma hier in einem Firmware Update eine Verbesserung anbieten könnte und sollte.
Bildbeispiele auch zu diesem Thema werde ich zu gegebener Zeit in einem andern Thread veröffentlichen.
Erstes Fazit:
Ich bin sehr zufrieden mit der SD1. Die kleinen Unzulänglichkeiten trüben meine Freude nicht.
Die reduzierte Art dieser Kamera unterstützt, wie alle Sigmas zuvor, genau meine Art zu fotografieren.
Im Sensor steckt eine unglaubliche Qualität und ich freue mich bereits jetzt schon, richtig grosse Prints anzufertigen.
Leider ist SPP noch weit davon entfernt, mit diesen Dateien souverän umzugehen. In der Grundeinstellung wird meiner Meinung nach zu stark geschärft und zu stark entrauscht. Dazu kommt die unendlich zähe Bearbeitungsgeschwindigkeit.
Es besteht also noch viel Luft nach oben.
Ich hoffe ich habe euch nicht gelangweilt mit diesem ersten Bericht.
Falls ihr Fragen habt, nur zu!